Achtung, das sieht doch jeder! Sei Dir dessen bewusst, was Du da für Daten freigibst.
Trotz all meiner vielseitigen Zwangsneurosen leide ich zumindest nicht unter der Gläserne-Mensch-Phobie. Der Grund, warum sich die andere Hälfte meines Freundeskreises gänzlich der Netzwerke und durchaus auch deren Vorteile versagt. Der Lauf der Dinge ist nun mal so, dass sich die Moderne schwer zurückdrehen lässt. Neulich hatten wir am Bodensee einen längeren Stromausfall. Das ganze Büro musste nach Hause (die Laptop-User zuletzt, sofern der Akku noch geladen war), da nicht mehr gearbeitet werden konnte. Kein Telefon, keine Mails, keine Dokumente… und wer auf dem Heimweg so klug war und den verfrühten Feierabend im Supermarkt sinnvoll nutzen wollte, stand blöd vor verschlossener Schiebetür oder einer nicht funktionierenden Kasse. Ohne Kasse kein Warenwirtschaftssystem, ohne Bezahlung kein Essen. Der Mensch im Zeitalter des digitalen Handels… Nicht einmal mehr ein Gurkenglas ist nicht nicht gläsern.
Wer ferner glaubt, dass der Fachbegriff „Datenmigration“ für eine Flucht vorm Datenraub steht, irrt sich. Hierbei handelt es sich lediglich um die Wanderschaft Deiner Informationen von einer zur nächsten Datenbank. Umso wichtiger also, dass Du lernst, Deine Information selber zu verwalten! Im Blogeintrag Google ist der neue Gott wetterte Chloe bereits:
Mich schockierte indes, dass die meisten Netzanwender immer noch so naiv sind. Glaubt Ihr denn im Ernst, dass Euch Facebook völlig umsonst Massen an Speicher für Eure Urlaubsfotos zur Verfügung stellt? Nichts ist umsonst. Eure virtuellen Spuren sind nachhaltiger als die reellen im Sand. Google macht uns unsterblich!
Aber wettern bringt nichts. SpreeSee sieht sich wie immer in der Aufklärungspflicht. Deshalb – und nachdem Maya beim letzten Telefonat völlig schockiert darüber war, dass Facebook plötzlich Zugriff auf Ihr Adressbuch hatte – kommt nun endlich meine Anleitung zum smarten facebooken.
Lektion 1: Stell Dir Deine Muttersprache ein
Facebook ist standardmäßig immer auf Englisch eingestellt. Wer gerade beim Kleingedruckten seinem Schulenglisch nicht traut, sollte lieber auf die deutsche Sprachversion setzen.

Sprache auf Facebook einstellen
Unter „Mein Konto“ lassen sich noch weitere hilfreiche Details einstellen. Wer sinnvollerweise seinen Email-Posteingang um etliche unsinnige Mails bereinigen will, der kann unter Facebook Einstellungen/Kontoeinstellungen/Mein Konto/Benachrichtigungen festlegen, bei welchen Aktionen Facebook keine Email versenden soll. Mich interessiert es z. B. recht wenig, ob nach mir etwas kommentiert wurde. Und wenn, dann kann ich das ja direkt bei Facebook unter „Benachrichtigungen“ nachschauen. Ich will nur nicht meinen Posteingang mit hunderten von Facebook-Benachrichtigungen per Mail zumüllen.
Lektion 2: Kategorisiere Deine Freunde
Ja, das klingt hart. Unmenschlich, pragmatisch, eiskalt! Aber sei ehrlich, hast Du wirklich 200 Freunde? Oder schummeln sich dazwischen nicht doch ein paar flüchtige Bekanntschaften? Mit echten Freunden teilt man sicherlich gerne alle Erlebnisse, aber soll Dein Ex-Freund wirklich wissen, wo Du gerade steckst? Oder Deine Chefin die Bilder der letzten Party sehen? Ein Kollege will Dich als Freund hinzufügen und Du kannst vor lauter Harmoniebedürftigkeit den Nerd nicht ablehnen, willst aber auch nicht, dass er Zugang zu Deinen privaten Daten hat? Dann starte eine ABC-Analyse nach Deinen vorher festgelegten Definitionen!
- A-Freunde: Dürfen alles sehen. Jedes Fotoalbum, Deinen Status etc.
- B-Freunde: Haben eine beschränkte Ansicht auf Pinnwand und Bilder.
- C-Freunde: Für die bleibst Du eine Daten-Sphinx. Sie bekommen so wenig wie möglich zu Gesicht.
Um Kategorien anzulegen, gehst Du auf den Reiter „Freunde“ und wählst in der linken Navigationsliste unter „Listen“ wieder „Freunde“ aus. Nun erscheint der Button „Neue Liste erstellen“. Im Pop Up kannst Du der neuen Liste einen Namen geben sowie Personen zuordnen.

Freundeslisten auf Facebook anlegen
Eine Mehrfachzuordnung ist ebenfalls möglich. So kannst Du einer Person zum Beispiel die Kategorie „Familie“ und „A-Freunde“ geben.
Ab sofort erscheint nun auch auf Deiner Startseite die definierte Liste.

Facebook Kategorienleiste
Nun kannst Du zum Beispiel filtern, von wem Du wirklich alle Beiträge sehen willst. Ich habe zum Beispiel bescheuerte C-Freunde, die den Unterschied zwischen Facebook und Twitter bis heute nicht verstanden haben und alle fünf Minuten ihren Status aktualisieren sowie mich mit Informationen überfluten. Wenn ich einfach auf „A“ klicke, blende ich also ab sofort die unwichtigen Leute aus meiner Startseite weg! Und erst all diese bescheuerten Pseudo-Psycho-Test! Wer will z.B. schon ernsthaft wissen, welche Märchenfigur der WG-Mitbewohner aus dem ersten Semester ist…
Du kannst aber auch FarmVille, Psycho-Tests oder nervige Freunde in den Nachrichtenströmen von Facebook manuell verbergen:
Simplify your news!Mit der Maus rechts oben im Eck herumirren, bis das Feld „Verbergen“ erscheint. Nun könnt Ihr einfach die blöde Application verbergen. Oder auch manuell Freunde raushauen!
Lektion 3: Richte Deine Privatsphäre ein
Jetzt richten wir Schritt für Schritt die gewünschte Privatsphäre ein. Dorthin gelangt man über den Reiter „Einstellungen“. Die Privatsphären-Einstellungen unterteilen sich in vier Kategorien, die Chloe nach und nach abarbeitet.
Vorneweg kannst Du schon mal direkt Personen „blocken“. Siehe rechts unten. Personen auf Deiner Blockierliste können weder nach Dir suchen, noch Deine Aktivität auf Facebook nachverfolgen. Nicht einmal Fotos auf denen Du markiert wurdest!

Personen auf Facebook blocken
a) Profil
Da unter den Reitern „Allgemeines“ und „Kontaktinformationen“ oft standardmäßig „Freunde von Freunden“ eingestellt ist, solltest Du jeden Punkt kritisch hinterfragen sowie umtragen! Willst Du wirklich, dass ein Dir unbekannter Freund von einem Freund auf alle Deine Daten zugreifen kann? Mache auch insbesondere Deine eigenen Freunde darauf aufmerksam! Wenn Du nämlich auf einem Foto markiert wirst, kann unter Umständen ein Freund von Dir gleich das gesamte Fotoalbum des jeweils anderen Freundes durchblättern… Verschtosch?
Wählst Du „Benutzerdefiniert…“ aus, kannst Du im Auswahlfenster zusätzliche Einschränkungen angeben. In meinem Beispiel dürfen B- und C-Freunde meinen Status nicht sehen.

Pofil-Privatsphäre auf Facebook einstellen
Facebook bietet Dir sogar die Möglichkeit der Qualitätssicherung an! Wenn Du kurz gegenchecken willst, ob Du alles richtig eingestellt hast, gibst Du einfach einen Namen Deiner Kontakte ein und überprüfst im „Ansehen als“-Modus, wie Dein Kontakt Deine Seite sieht.

Ansichtsmodus auf Facebook
b) Suche
Auch bei der Suche kannst Du sehr viel einschränken. Nimm z. B. am besten den Haken im „öffentlichen Sucheintrag“ gleich raus. Außer Du möchtest, dass man sich auf Dein Facebook-Profil googeln kann…

Suche auf Facebook einschränken
c) Neuigkeiten und Pinnwand
Jetzt wird es richtig interessant… Bei welchen Aktionen willst Du z. B. wirklich, dass gleich alle über eine Änderung informiert werden? Gerade beim Aktualisieren des Beziehungsstatus hauen Freunde mit ihren Kommentaren schön drauf… !

Pinnwand- und Neuigkeiten-Privatsphäreneinstellungen auf Facebook
Auf dem zweiten Reiter „Facebook-Werbeanzeigen“ möchte ich besonders hinweisen! Wählt hier am besten immer „Niemand“ aus. Warum? Keine Ahnung, jedenfalls ist gerade diese prekäre Erläuterung nicht ins Deutsche übersetzt… Finger weg!

Facebook-Werbeanzeigen in der Privatsphäre ausschalten
Und um Euch völlig zu irritieren: Es gibt noch einen Weg, wie man Pinnwand-Einstellungen ändert… und zwar direkt auf der Pinnwand. Hier kann man auch ein paar doch recht nützliche Seiten importieren. Wie unseren SpreeSee-Blog natürlich!

Weitere Pinnwand-Einstellungen auf Facebook
d) Anwendungen
Nun kommt das Kleingedruckte ganz groß daher ! Und zwar so heftig, dass man doch bitte überall die Häkchen rausnehmen sollte. Eine Anwendung (englisch „Application“) ist z. B. bereits das Versenden von „Schwäbischen Geschenkle“. Indem Du diese Anwendung benutzt, gibst Du – sofern Du das vorher nicht über die Privatsphäre-Einstellungen reguliert hast – folgende Daten Preis:

Anwendungen auf Facebook
Ganz schön gläsern… und ganz schön perfide, dass ausgerechnet bei „Beacon Websiten“ kein Haken drin ist. Die Logik ist dort umgedreht! Wenn Du Beacon-Websiten blockieren willst, setzt Du einen Haken! Also: aufpassen !!
Lektion 4: Anwendungseinstellungen
Ihr liebt Tests, Geschenke und sonstige Anwendungen? Meistens klickt Ihr dieses Pop up weg?

Zugriff für Facebook-Anwendungen erteilen
Dabei greifen gerade diese Anwendungen auf Deine Daten zu! Am besten Du bearbeitest jede Einstellung manuell nach.

Privatsphäre der Facebook-Anwendungseinstellungen bearbeiten
Die Anwendung „Fotos“ erlaubt z.B. immer standardmäßig die zusätzliche Genehmigung „Meldungen in den Nachrichtenströmen zu veröffentlichen“.

Zusätzliche Genehmigungen rausnehmen !
Was das bedeutet? Dass von Dir neu eingestellte Fotos direkt auf der Startseite Deiner Freunde als „Höhepunkte“ beworben werden.

Höhepunkte auf Facebook
Wie Du siehst, sind unter „Höhepunkte“ auch weitere Anwendungen vertreten… also entscheide selbst, wie sehr Dein Leben zum Newsticker wird. Neulich konnte ich z.B. die Video-Ultraschallaufnahme eines mir völlig unbekannten Fetus sehen.
Lektion 5: Einträge entfernen
Natürlich kannst Du auch jederzeit Deinen Status, Kommentare, Pinnwandeinträge etc. löschen. Das machst Du direkt auf Deiner Profilseite bzw. Pinnwand, indem Du – das ist wirklich wieder ganz schön tricky ! – mit der Maus rechts über das entsprechende Feld fährst, bis folgender Button erscheint:
Einträge auf Facebook löschen
“Untaggen“ – also Markierungen auf Fotos entfernen – ist auch nicht schwer. Einfach auf das Bild gehen und neben dem eigenen Namen „Markierung entfernen“ anklicken.

Facebook Markierung auf Foto entfernen
Lektion 6: Disziplin nach der 5 S-Bewegung
Immer wieder wende ich die einfachen Regeln des Lean Managements auf Alltagsabläufe wie z.B. der Schuhablageoptimierung an. Auch bei der Facebook-Arbeitsanweisung erbitte ich mir die Einhaltung der 5 S.
Seiri (Sortieren: Einteilung der Freunde in A/B/C)
Seiton (Systematisieren: Fotoalben werden nach der Intention der Veröffentlichung angelegt. Die Fotos des letzten Absturzes dürfen nur A-Freunde sehen).
Seisō (Säubern: Der Freundespool wird stets um unwichtige Bekannte bereinigt. In einem ausgewogenen Pool sollte die Anzahl der A-Freunde niemals die Summe der B/C-Freunde übersteigen).
Seiketsu (Standardisieren: Die Privatsphäre wird so eingestellt, dass B-Freunde alle die gleiche Ansicht haben).
Shitsuke (Selbstdisziplin (engl.: MONK): Bei jeder neuen Freundschaftsanfrage muss die Person gleich nach A/B/C kategorisiert werden.)
Jetzt kann doch nichts mehr schiefgehen !
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Werdet eurer eigenen Informationen habhaft! Lasst euch nicht das Heft aus der Hand nehmen!
Ich dachte ich fang mal mit ein paar Parolen an, denn heute ist auf SpreeSee offensichtlich Datenschutz-Großkampftag und das finde ich gut und wichtig!
Chloe chlärt auf in Chloes chleiner Facebookschule…
da sollte nun jeder, dem seine Daten noch was wert sind, einmal einen Grundkurs machen, bevor er sich in den Schmelztiegel der Sozialen Netzwerke begibt.
Sehr schön hast du das gemacht, hoffentlich nimmt der Herr Facebook uns jetzt nicht unsere von ihm beherbergte Seite weg, wenn wir ihm hier so eine Schneise in sein Netzwerk schlagen!
[...] Posted on 9. Juli 2009 by chloevomsee Kinders! Jetzt hatte ich doch gerade meine Facebook Anleitung verfasst. Und nun… ? Was begegnet mir prompt auf meiner Startseite unter [...]
Jetzt mach aber mal halblang ! Ich wollte nur eine QM-zertifizierte Schulungsunterlage verfassen. Mein größtes Hobby…
nee, neee da kommt aufklärerischer Geist durch, das liest man ganz deutlich
http://www.heise.de/newsticker/Studie-zum-Datenschutz-Empfinden-in-sozialen-Netzwerken–/meldung/141940
[...] die Meisterin der Schulungsunterlagen Chloe vom See sich solche Mühe gegeben, den Menschen eine verantwortungsvolle Nutzung des sozialen Netzwerks Facebook beizubringen, ein Vorhaben, das offensichtlich eine Marktlücke getroffen hat, wie die vielen [...]
[...] Posted on 16. Juli 2009 by chloevomsee Chloe scheint vom Thema Facebook nach ihrer Gebrauchsanleitung und einem Abschreckungsbeispiel für unfassbare Höhepunkte-Meldungen gar nicht mehr die Finger [...]
FACEBOOK: Kan ich mein Profil so einstellen, dass NIEMAND meine Freundesliste sehen kann, also auch meine Freunde nicht?
Vielen Dank für die Antwort!
Hallo Frank!
Das geht mit einem Trick: Wenn Du unter Einstellungen/Privatsphäre/Profil/Allgemeines unter „Freunde“ auf „Benutzerdefiniert…“ gehst, dann kannst Du alle Deine Freunde auf die Sperrliste „Außer diese Personen“ setzen. Am besten Du packst Deine Freunde in eine Liste, dann geht das schneller. Siehe Lektion 2 in der Anleitung ; )
Ade vom See
Chloe
[...] } So, und nun zeigt Euch Chloe – die Facebook-Lehrbeauftragte, wie man FarmVille, Psycho-Tests oder auch nervige Freunde in den Nachrichtenströmen von [...]
Ich habe einige Freunde, die ich keiner Freundesliste zuordnen kann… weiss jemand woher das kommt? Alle anderen gehen ohne Probleme!
Danke und lg, Mo