Facebook chlaut Chloes Augen

Dieser ganze Facebook-Tumult steigt mir langsam zu Kopf. Bin ja auch selber daran Schuld, wenn ich so viel dazu schreibe und meine aufklären zu müssen. Wenn mich etwas beschäftigt, dann träumt mir prompt des Nachts davon (bis auf meine Indienreise – die muss tief in mein Unterbewusstsein verbannt worden sein). Also reflektierte ich erst neulich mit Maya über die lange Überseeleitung über ein paar Bilder aus meinem Kopfkino. Sie fand meinen Web 2.0-Traum auch sehr interessant. Somit fasse ich diesen nochmals zusammen:

Chloe ist auf einer Reise. Sie wacht in einem Hotelzimmer auf und findet sich nach dem ersten Wimpernschlag ordentlich im Anzug gekleidet am Frühstückstisch mit ein paar MBA-Freunden sitzend. Wir müssen irgendwohin los und ich hetze immer nur hinterher ohne eine einzige Frage zur Gesamtsituation zu stellen. Wir laufen durch verdreckte Hochhaustunnels. Mir gelingt es kaum mit den anderen Schritt zu halten, da ich immer wieder entsetzt auf die mit Staub bedeckten Wolken schielen muss. Wir stopfen uns in einen kleinen Supermarkt und interviewen die Kassiererinnen zu ihren Prozessen. Plötzlich wache ich aus meinem Sprachkoma auf, um endlose Optimierungsvorschläge von mir zu geben. Die anderen sind stolz auf mich und klopfen mir auf die Schulter, da ich endlich wieder wie gewohnt „da bin“. Vor allem scheinen alle um mich herum mich überzeugen zu wollen, hier zu bleiben. Sie loben das neue Wirtschaftswunder. Sie leben alle inzwischen hier. Mir flößt das endlose Grau um mich herum nur Angst ein. Als sich alle anderen euphorisch im Marschschritt zur nächsten Fallstudie begeben, verliere ich den Rhythmus und falle in einer Seitengasse aus der Klaviatur. Ich habe das erdrückende Gefühl, dass das streng verboten ist. Doch bevor ich meine Füße zum Lauf animieren kann, bleibt mein Blick an einem schäbigen Schaufenster haften. Lesen kann ich nichts. Alles auf Chinesisch. Überall liegen neueste Waren in schrillen Produktverpackungen aus. Plötzlich sehe ich einen Karton mit Muckies Foto drauf. Wie kommt bloß das Foto meiner Seefreundin hierher? Mir fällt ein, dass mir dieses Bild besonders bekannt ist. Sicher, es ist ihr Facebook-Profilfoto. Völlig wütend greife ich den Verkäufer an, was ihm denn einfallen würde, das Foto meiner Freundin für die Vermarktung seiner Produkte auszunutzen. Der Chinese grinst mich nur unheimlich an…

Nur eine Woche später starte ich meine Facebook-Seite, um die Gänsehaut aus meinem Traum in aller Deutlichkeit wieder zu fühlen. Aber dieses Mal ist es real oder doch nur ein Zufall? Jedenfalls sehe ich folgende Werbeanzeige auf meiner Startseite.

MAC Makeup Werbung mit meinem AUGE ??

Über meine sehr spezielle Augenfarbe hatte ich schon mal einen Blog-Eintrag geschrieben. Wer mich kennt, wird also zustimmen, dass die Iris aus dieser Facebook-Werbeanzeige eine verblüffende Ähnlichkeit mit meiner Augenfarbe hat. Selbst der blau-graue Rand ist vorhanden! Und nicht nur die Iris! Auch der störrische Wirbel an meiner rechten Augenbraue ist da! Gibt Facebook seinen Werbepartnern etwa Fotos zur freien Verwendung weiter? Werde ich jetzt paranoid??? Dass die Chloes erlogenes Alter benutzen ist ja absehbar. Aber meine Augen??? Die können mir doch nicht meine Augen klauen. Was sehen die denn noch? Sehen die durch mich? Ich werde paranoid….

Lürsen in Love und Selbstjustiz auf dem Vormarsch

Tatort aus Bremen, “Königskinder”, Sonntag 7.2.2010 um 20.15 Uhr, 3-4

Inga Lürsen (Sabine Postel) – die bärbeißige Bremer Kommissarin – wird mal wieder von ihrer Tochter vor den Kopf gestoßen und dann fällt sie auch noch auf selbigen, weil sie ganz in Rage – wie immer eben – die Treppe runterstürzt. Leider hat dies furchtbare Auswirkungen! Zwar ist sie auf den härtesten Teil ihres ausgesprochenen Dickschädels gefallen und somit der Querschnittslähmung von der Schippe gesprungen, doch diese quasi Nah-Tod-Erfahrung macht die sonst so toughe Granddame ganz weich in der Birne. Sie möchte die ach so kurze Lebenszeit nicht mehr in Wut und Aufregung verbringen und schwebt deshalb fortan als personifizierte Sanftmut durch die Ermittlungen. Everything ZEN- Inga genießt ausgiebig ihre Frühstücksorange, lässt verträumt Sand durch die Finger laufen und grinst dabei beseelt wie Buddha persönlich.

HILFE! Ich will meine Inga zurück, die mit dem Zorn der Gerechten die Übeltäter jagt und voller Leidenschaft ausflippt, wenn es darum geht die Missstände dieser Welt anzuprangern. Stattdessen muss ich mir jetzt auch noch mit ansehen wie sie dem Süßholzgeraspel eines Arztes nachgibt, der sogar zugibt, dass er eine ganz alte Masche aus Studentenzeiten anwendet – “ich bin noch nicht tot” sagt Inga und tauscht Säfte mit dem attraktiven Medikus. Na gut, denke ich mir, natürlich kann die Inga nicht immer nur mürrisch von einem Tatort zum anderen gehen und ein bisschen Lebenslust hat jeder verdient!

Also konzentriere ich mich nur mit einem Auge auf den Krimi, um den Würgreiz zu unterdrücken, der mich wegen der weichgespülten Inga überfällt, und lasse mich prompt von den falsch gelegten Fährten hinters Licht führen. Ich dachte doch tatsächlich, diese verzehrt und verbittert dreinblickende Chefsekräterin Edith (furchtbar, unheimlich, beängstigend: die großartige Bibiana Beglau) war die Strippenzieherin hinter den Morden – falsch getippt!

Vor lauter Ärger über die Lovestory der Lürsen ist mir doch beinahe entgangen, was für ein ausgeklügelter Fall hier ausgeheckt wurde. Dabei wurde der Zuschauer nämlich ordentlich reingelegt: In der Anfangssequenz sahen wir einen Einbruch und den Mord an der Unternehmergattin Sonja Mesenburg vor den Augen ihres Mannes  durch die vermummten Räuber. Der Bruder des Opfers, Bernd, ist Polizist – ein alter Kumpel von Lürsens Kollege Stedefreund – und macht sich wie die Bremer Ermittler auf die Suche nach dem Mörder. Dabei kommt die Story des verkorksten Lebensweges der Stedefreundschen Ex-Clique zu Tage. Stedefreund hatte nämlich was mit der emordeten Sonja, bis die ihn fallen ließ, weil sie lieber reich heiraten wollte und zwar den Mesenburg, eine Idee, die ihr viel Pech bringen sollte. Edith, die Ex von Sonjas Bruder, wurde Angestellte der Fast-Schwägerin und glühende Verehrerin des Mesenburg, der von Sonja wegen des Geldes geehelicht und ansonsten verachtet wurde. Bruder Bernd blieb Single und der festen Überzeugung, Mesenburg sei nicht gut genug für seine Schwester. Alle gemeinsam nahmen dem Stedefreund übel, dass er den tollen Freundeskreis im Stich gelassen hatte und bei seinem Auszug in die große weite Welt vor ihnen von Bremerhaven bis nach Bremen geflüchtet war. Aääähh – ja.

Es gibt ein hin und her, warum ist dieser Einbruch brutaler gewesen als die anderen der Serie? Wer hatte was davon, reicht eine Entlassung als Motiv dafür und wieso vertickt der Penner, der sicher nicht zu Einbruch und Mord fähig war die Beute? Was ist bloß mit dem Bruder des Opfers los, der so grobschlächtig die Ermittlungen stört?

Ein selbstloser Lockvogel Einsatz der verliebten Inga bringt die überraschende Wahrheit zutage: Der Mörder war der Ehemann. Leider konnte man darauf schwer kommen, denn auf eine Schilderung seines Psychogramms wurde verzichtet, wie gesagt, die bittere Edith lief die ganze Zeit mit einem solchen Hass im Gesicht herum und hatte Texte drauf, die sie ganz klar als Mörderin auszeichnen könnten.

Spannend an der ganzen Sache ist die Auflösung: Täter lügen und das können Fernsehbilder auch. Die Überfall-Szene die eingangs zu sehen war, entsprach nicht dem wirklichen Tathergang, sondern war nur die Version des mörderischen Ehemanns, der hatte die Räuber angeheuert um ihnen den Mord, den er genüsslich selbst beging, in die Schuhe zu schieben. Da denkt man natürlich nicht dran, als Zuschauer, der gewöhnt ist mehr zu wissen als die handelnden Personen – wirklich ein schicker Kniff! Das war aber auch fast das einzig Gute an diesem Tatort.

Ganz dramatisch wirds zum Schluss, denn die verliebte Inga und der um die Ex trauernde Stedefreund haben den rachsüchtigen Bruder Bernd nicht im Griff und in ihrer Nachsicht völlig übersehen, dass  der die Ermittlungen sabotierte, um den Mörder seiner Schwester selbst und endgültig zu richten.

Gradwanderung…

Ich kann es gar nicht fassen, dass ich bald mein schönes Pixie gegen Mayas Wetteransicht austauschen muss. Gegensätzlicher geht es grad wohl kaum. Ich hoffe auf ein Temperaturwunder bis zum 17. Februar. Wo bleibt der Klimawandel, wenn man ihn braucht? Vielleicht sind meine nächsten Flugmeilen der berühmte Schmetterlingsflügelschlag, der den Frühling an die Spree bringt…

Bis dahin genieße ich noch die warmen Abende unter Palmen. Gestern wollte ich nur auf einen Drink aus und wurde von der “Open Mic Night” im Marc Aurel Café positiv überrascht. Das Prinzip: Jeder Musiker darf ans Mikrofon und/oder an die Instrumente. Sogar unsere Kellnerin gab zwei Songs zum besten und erzählte uns ganz stolz, dass ihre Schwester am Schlagzeug saß. Diese Jungs durften als letztes ran – den ganzen Abend warteten sie mit der Ukulele in der Hand auf ihren Auftritt:

Ab und zu regnet es natürlich auf Hawaii. Aber der Regen ist warm und zieht schnell vorrüber. Und irgendwie freuen sich die Einheimischen sogar über Regen. Mein Bruder und ich auch, weil wir dann immer über seine drei Scheibenwischer lachen müssen…

Baguette Bonaparte

Eigentlich verließ ich vor ca. einer Stunde das Haus nur, um mich durch ein unwirtliches Schneetreiben zur Apotheke zu kämpfen, weil mich ein heftiger Kopfschmerz plagte und die lindernden Mittel zur Neige gingen. Ein kurzer Stopp bei meinem liebsten lokalen Backwarendealer ließ den Druck allerdings schneller verschwinden als Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen es jemals könnten. Denn nicht nur das Nussnougat-Croissant war so köstlich wie immer, nein von der Hülle meines Baguettes blickte mir der gute alte Napoleon Bonaparte entgegen:

Zwei Kleine, die in der ganzen Welt groß rausgekommen sind - kongenial vereint!

Verpackungsdesignerin müsste man sein!

Mir schossen sofort verschiedene weitere Bilder durch den Kopf, die die sonst so langweiligen Gebäcktüten verzieren könnten. Ich gehöre zu diesen typischen hoffnungslos deutschen Brotautisten, die die germanische Backkunst für die überlegenste der Welt halten. Nach Reisen lobpreise ich bei der Rückkehr stets mit Tränen in den Augen die erste ordentliche Stulle. Nichts geht über ein Pfister Frankenlaib mit Butter drauf, oder ein genetztes Dinkelbrot! Charly und ich sind durch den erhöhten Verzehr sicher zu 20 Prozent an der Renaissance des fast vergessenen Getreides schuld.

Daher konzentrieren sich meine Vorschläge auch auf deutsche gebackene und menschliche Hegemonialkräfte:

Ich sehe Karl den Großen auf seinem Reiterstandbild mit einem Laib Roggenmischbrot unterm Arm, den er durch ganz Europa trägt.

Ich sehe den Alten Fritz als ersten Diener seines Staates einen Vesperlaib aufschneiden und Scheiben an die Untertanen verteilen.

Ich sehe Papst Benedikt zur heiligen Kommunion statt der weißen Hostien runde Pumpernickelscheiben ausgeben, so schwarz wie die Seele der alten Männer in Rom, die immer noch Homosexualität für unnatürlich und Verhütung für Teufelszeug halten…

Darauf eine Käsestulle!

Apps kill the Jamba-Star !

Chloe und Maya gehören zur Generation der ersten Handy-Teenager. Unsere Handys konnten telefonieren und Textnachrichten versenden. Die heutige Jugend würde beim Anblick meines ersten Handys wohl vor Lachen losbrüllen. Ja, das waren noch Steinzeitalterzeiten, als Siemens diesen Markt beherrschte. Der Vormarsch von Nokia ist rückblickend auch schon Mittelalter.

Mit den ersten farbigen Bildschirmen trat plötzlich auch ein ganz neues Phänomen auf: Jamba! Ob quakende Frösche, Klingeltöne oder Games, mit dem Jamba-Abo konnte man sein Taschengeld effizient verbraten.

Vielleicht war ich inzwischen zu alt oder zu weise, um auf diese Mobiltelefon-Anwendungen hereinzufallen. Dank der nervigen Jamba!-Werbung auf allen Musiksendern beschloss ich gar, ganz auf Viva, MTV & Co. zu verzichten, um nicht zu verdummen. @Maya: Läuft die Werbung in Deutschland überhaupt noch?? Oder muss ich mir Video-Clips weiter auf YouTube anschauen?

Mit dem iPhone ward die Telefonie nun in die Moderne katapultiert. Auch Chloe ist süchtig nach ihrem Touchscreen. Mein Bruder fragt täglich, ob ich meinem iPhone inzwischen schon einen Namen gegeben habe. Heute ärgerte er mich mit dem Spruch: „Ha, Dein iPhone wird von Dir mehr angefasst als es sich jeder Ex erträumt hätte.“ Danke hierfür, Bruder !

Für alle Smartphone-Ideologen: Ich bin vom Nexus, also dem Gerät aus dem Hause Google, nicht ganz überzeugt. Habe das Gadget ausprobieren können. Ich sehe aber auf alle Fälle das Potential des Betriebssystems „Android“ und denke, dass Google tatsächlich eine ernstzunehmende Alternative auf den Markt geschmissen hat. Und das sage ich jetzt nicht nur, weil ein Jugendfreund von mir nächsten Monat an die amerikanische Westküste zieht, um für Google zu programmieren.

Chloe ist also nicht nur Opfer vom iPhone, sondern inzwischen auch völlig begeistert von den diversen Apps. Ich stöbere super gerne im iApp-Store (über Kritik an der sehr eigenwilligen App Store-Politik findet ihr sogar was auf Wikipedia – ich lass das Thema jetzt einfach mal aus Zeitgründen aus) nach kostenlosen Mobiltelefon-Anwendungen.

Mobiltelefon-Anwendungen? War da nicht was? Doch: Das war bisher Jamba!-Territorium. Ich würde mal sagen, die sind raus aus dem Spiel. Und die Ironie will es, dass Jamba (die Marke einer Apfelsorte) von Apple verdrängt wird. Ich hasse Jamba! mit ihren Abzocker-Abos. Und sie haben es mehr als verdient vom Puls der Zeit überrollt worden zu sein. So viel zu choleric Chloe, die sich schon vor langer Zeit über den Nachtscanner aufgeregt hat. Eine professionellere Satire findet ihr im Spreeblick-Blog.

Jedenfalls habe ich gerade eine neue SpreeSee-Schublade namens „Apps“ eröffnet. In dieser Schublade werde ich ab sofort Apps vorstellen, die meine Aufmerksamkeit erhaschen.

Natürlich lege ich gleich mit der ersten App los. Im Gegensatz zu Maya teile ich eine furchtbar sentimentale Leidenschaft für Traditionsinstrumente. Nun gibt es ja vom Klavier bis zur Gitarre einige Apps fürs iPhone. Aber wer hätte gedacht, dass sich sogar ein Migrationshintergrundsinstrument im Ladenregal befindet (man beachte den Doppeladler)?

Zu dieser albanischen Folkloregitarre tanzte ich schon, bevor ich ordentlich laufen konnte. Mein Vater zupfte im Schneidersitz und ich hüpfte mit einem Taschentuch dazu. Die App ist leider kostenpflichtig. Aber meine Schwester hat sich einen Spaß erlaubt und meinen Vater damit überrascht. Und so hört sich die albanische Luft-Çifteli an:

Blechblasende Vögel spielen in der Blauen Moschee auf

Eigentlich habe ich es nicht so mit Blechblasinstrumenten. Die erinnern mich irgendwie immer an Marschmusik, Bierzelt und German Gemütlichkeit. (Ich weiß, dass auch im Jazz Blechbläser vorkommen, aber das ist ne andere Baustelle und die Tuba ist dort eher selten).

Nun habe ich bereits im vergangenen Herbst zum Ersten Mal einen Track gehört, der mich völlig von diesen bisher geschmähten Instrumenten begeistert hat und bis jetzt nicht mehr los lässt – er wird nämlich auf Motor FM rauf und runter gedudelt. Erschienen ist diese schöne Musik als erster Streich des eigenen Labels Pampa Recors von Tausendsassa DJ Koze und Charly quittierte nach dem Hören:

Der Koze hat doch den A**** offen

Was solls, mir gefällts, ich stehe da sowas von drauf, dass ich diesen Muntermacher als Startschuss fürs Wochenende poste:

Noch nicht ganz schneeblind

Während Chloe sich trotz strahlendem Sonnenschein auf ihrer Insel hauptsächlich in der virtuellen Welt aufzuhalten scheint und all den Facebook-Jüngern immer neue Tipps zum Fraß vorwirft, habe ich mich hier mal wieder auf die Straße gewagt.

Kalt ist es – empfindlich kalt! Minusgrade im zweistelligen Bereich und das bereits seit Tagen. Da maynt selbst Maya, die überzeugte Mitteleuropäerin ist und den Wechsel der Jahreszeiten eigentlich liebt, jetzt reichts aber langsam. Urban rief neulich beim nächtlichen Warten auf die Tram die Treibhausgase herbei:

Wo ist der Klimawandel, wenn man ihn mal braucht?

Grundsätzlich sehe ich das natürlich anders – eigentlich erfasst mich jedesmal wenn die dicken Flocken vom Himmel rieseln eine kindliche Freude und ich finde die ganze Welt sieht einfach zauberhaft aus, wenn es frisch geschneit hat. Außerdem wirkt der Schnee für mich als passionierte Nachteule wie eine Extra-Straßenlampe, die alles ein wenig heller und schöner macht, sogar eine zugeparkte Straße:

Dennoch treten nach 3 Wochen tiefstem Winter längst schon Ermüdungserscheinungen auf. Die hässlichen Seiten fallen mehr und mehr ins Auge.

Direkt vor meiner Türe und überall sonst pinkeln Hunde ihre Initialen in den Schnee:

Außerdem scheint die BSR absolut nicht multitaskingfähig, entweder Müll abholen oder zumindest die wichtigsten Straßen räumen, auf den Gehwegen ist man ohnehin sich selbst überlassen und das ganz ohne Kehrwoche, die mein schwäbischer Besuch nach einem heftigen Sturz empört herbeisehnte. So weit würde ich nicht gehen wollen, diesen Terror herzuwünschen, aber wenn folgende Missstände bald behoben sind, werde auch ich mich wieder wohler fühlen…

Der brave Bürger hat keine Chance, seinen Müll ordungsgemäß loszuwerden, schön bunt ist er aber - der Müllraum und sieht nun wie eine Installation aus.

Knochenbrecher-Eisplatten, gut gehärtet und leidlich durchzogen mit schuhschädlichem Rollsplitt

Das alles führt zu einem Laissez-Faire in Sachen Style: nur noch warme Füße zählen und der Schutz der Sohlen aller anderen Bewohner meines Schuhregals.

Facebook: Ich entfreunde Dich !!

Der Spruch „Wir können ja Freunde bleiben“ nimmt mit den neuen Sozialen Netzwerken ganz neue Dimensionen ein. Früher äußerte man nach einer Trennung dieses bescheuerte „Freunde bleiben“-Versprechen mit der stillen Gewissheit: „Aus den Augen aus dem Sinn“. Aber in der virtuellen Welt ist das gar nicht so einfach! Auch bei Überseeentfernungen bleibt der Ex auf dem Bildschirm zu sehen. Will man das?

Was mach ich mit dem Ex im Netz?

Die Neugier unterbindet oft den vernünftigen Cut. Man fühlt sich zum Ex noch emotional gebunden und möchte wissen, was er treibt und wie es ihm geht. Die Angst vor der Entfremdung ist groß, da somit auch die Hoffnung stirbt, wieder zueinander zu finden. Nun postet man also selber weiterhin seinen Status, Fotos etc. als wäre alles wie vorher. Plötzlich fällt einem aber auf, dass der männliche Konterpart von einem Ex selber nicht so kommunikativ ist. Seit Wochen kein Status, kein Kommentar. Was aber nicht heißen muss, dass er mein umtriebiges Leben nicht weiterhin verfolgt. Irgendwie fehlt Chloe plötzlich die Balance. Ich gebe und bekomme nichts zurück.

Bis ich eines Tages im Nachrichtenstrom zusammenzucke: Irgend eine Tussi schenkt plötzlich dem Ex ein virtuelles „Schokolädle“. Plötzlich wird man schrecklich eifersüchtig und wütend. Wie kann der Kerl nur wieder Spaß am Leben haben, während ich mich furchtbar gräme? Sieht die neue Facebook-Angreiferin besser aus als man selbst? Chloe chlickt aufs Foto und untersucht das Profil der Unbekannten…

Und an diesem Punkt realisiert sie: Das Ganze ist völlig ungesund und selbstzerstörerisch. Will ich wirklich eines Tages ein Foto sehen, auf dem der Ex gar mit einer Neuen herumknutscht? NEIN ! Also kategorisiere ich den Kerl schnell auf C um und verberge ihn in den Nachrichtenströmen (siehe Facebook Anleitung). Das kommt einem „Entfreunden“ gleich. Meine C-Freunde können so gut wie nichts sehen: keine Pinnwand, keine Fotos, kein Status, kein kein kein.

Nun passiert mir aber folgendes. Ein gemeinsamer Freund postet:

Einzig und allein die Leergutrückgabe lässt mich zu einem Verehrer der Wasserhähne und des Tees mutieren! Scheiß Automaten. Ständig voll oder defekt oder sie kapieren überhaupt nix. Worauf trifft das denn noch alles zu?

Bei dieser unglaublich guten Vorlage muss Chloe ja chomisch chontern:

Männer. Auch nur Flaschen!

Prompt kommt eine Mail vom Ex bei mir an mit dem Wink Chloe hätte ihn als Flasche diffamiert. Dabei hatte sie das gar nicht im Sinn… Wie konnte der das überhaupt sehen? Mist, natürlich! Wenn der Kerl mit meinen Freunden befreundet ist, sieht er ja weiterhin meine Kommentare. Also bleibt in dem Fall doch nur eine Lösung: „Blockieren“. Aus den Augen, aus dem Sinn. Für eine saubere Trennung rät Chloe also die EXen dieser Welt auf die Blockierliste zu setzen. Wer weiß, wenn die Wunden verheilt sind, kann man die Privatsphäre-Einstellungen sicherlich wieder dementsprechend anpassen. Für alle Paare, die im Guten auseinandergehen ist dieser Tipp sicherlich überflüssig…

Chloes Facebook-Tipp: Lösche Deine Pinnwandeinträge und Markierungen, bevor Du jemanden blockierst. Dann sind Deine Partnerschafts-Spuren für immer weg. Und Du läufst nicht Gefahr dadurch verletzt zu werden, dass der Ex das vor Dir macht. Ich weiß, eine kleine Kontrollneurose…. Aber auch lieb gemeint für den zukünftigen Partnerersatz. Die Neue soll doch nicht gleich auf Facebook mit den Reminiszenzen der Ex belastet werden!!

Wie reagiere ich, wenn ich entfreundet werde??

Neulich hatten wir Besuch von einem 12-jährigen Jungen aus San Diego. Als er mir etwas auf seinem Facebook-Profil zeigen wollte, sah ich die unfassbare Zahl von 350 Freunden !!! Wie kann man nur in dem jungen Alter schon 350 Freunde haben…? Die Amerikaner sind einfach sehr viel schneller im Kontakte knüpfen. Was natürlich aber auch ein kontinuierliches „Aufräumen“ bedingt.

Dass in Amerika das Wort „unfriend“ zum Wort des Jahres 2009 gewählt wurde, ist somit sehr bezeichnend. In der Autofahrernation Deutschland spiegelt das Wort des Jahres 2009 ebenfalls einen Verlust wider: „Abwrackprämie“.

Zurück zum roten Faden: Wie reagiere ich darauf, dass ich gestern noch 200 und heute plötzlich nur noch 199 Freunde habe? Irgend jemand muss mich aus seinem Freundespool gekickt haben! Das greift mein Ego an, das macht mich zum Schnüffler. Ich gehe meine Freundesliste fünf Mal durch und überlege hin und her, wer mir das angetan haben könnte. Gar nicht so einfach! Wer fehlt plötzlich?. Aber hey, eigentlich juckt es mich nicht die Bohne, denn: Schwund gibt es immer. Chloe ist bekannterweise nicht harmoniebedürftig!

Aber für alle, die den Dialog zum verlorenen Freund suchen, gibt es eine Defriend Tracker Applikation, die Euch dabei hilft – ohne parallele Buchhaltung in Excel – herauszufinden, wen ihr auf dem Netzwerkweg verloren habt:

Es gibt sie, sie geht aber nicht !! Die Applikation wurde Mitte des Monats angekündigt, aber von Facebook unterbunden.

Ich hatte auch schon mal eine Gruppe auf Facebook gesehen, die ein Skript zur Verfügung stellte, um die verlorenen Freunde aufzudecken. Aber auch diese Gruppe muss inzwischen vom Big Brother Facebook gelöscht worden sein…

Aber warum? Ist Facebook etwa doch nur ein altruistischer Seelsorgeverein, der niemanden mit krudem Wissen (entfreundet zu werden tut nun mal schrecklich weh!) kränken oder verletzen will? Das wirft ein ganz neues Licht auf Mark Zuckerberg… Wahrscheinlich war er einer der Jungs, der beim Sport als letzter in die Fußballgruppe gewählt wurde. Mit Abweisungen – ob in der Liebe, in der Schule oder im Netzwerk – kommt halt keiner zurecht! Lieber man weiß nicht Bescheid…

Web 2.0: Rezensionsschmieden

Chloe liebt das Mitmachnetz! Vor allem, wenn es nicht im Sinne des schlauen Marketingchefs genutzt wird. Gestern wurde ich über Facebook auf ein Produkt aufmerksam gemacht, das an sich schon ein Brüller ist: Das Wenger Schweizer Offiziersmesser Giant Messer mit Schatulle.

Ich stehe ja furchtbar auf Outdoor-Gadgets. Aber dieses Monstrum von einem Multitool?? Wie soll das 651,20 Euro teure Messer in meine Hosentasche passen?

Amazon bietet schon seit längerem an, dass Kunden eigene Produktbilder hochladen können. Ein guter Trick: Der Händler spart sich Kosten und mit jedem neuen Bild steigen die Chancen, dass das Produkt häufiger verkauft wird. Wehe dem, der nicht gleich an das Potential der Parodie denkt. Und so auch geschehen! Etliche Kunden haben in schönster Titanic Manier ihre Einsatzfunktion online gestellt. Ein Blick in die Bildergalerie lohnt sich auf alle Fälle.

Und wer lange nicht mehr richtig gut gelacht hat, der braucht nur ein paar Kundenrezensionen durchlesen.

Als ich mir damit die Nasenhaare trimmen wollte, gabs einen Kurzschluss zwischen dem integrierten Flux-Kompensator und der eingebauten Urananreicherungsanlage. Seither hängt mein linkes Nasenloch im Jahr 1808 fest. DANKE WENGER!

Dass Chloe dazu neigt dieses überdimensionierte Taschenmesser als Penisverlängerung zu bezeichnen, ist eine Sache. Aber dass Amazon unter der Rubrik „Kunden, die verwandte Artikel gekauft haben, haben auch die folgenden Artikel gekauft“ tatsächlich fast ausschließlich Bücher zum Thema „Das Schwanzbuch“, „Das Orgasmusbuch“ oder „Natürliche Penisvergrößerung“ auflistet, ist doch kein Zufall !!

Ist das ganze Produkt etwa SCAM??? Ein Marketinggag von Amazon? Wahrscheinlich erscheint gar bald ein Buch zum Multitool: „Neue kollektive Literaturformen – Kundenrezensionen als Aktionskunst im Netz.“ Wahrscheinlich sitzt bereits ein Diplomand der Kommunikationswissenschaften an dem Thema dran.

Aber das Messer scheint es wirklich zu geben! Ich googelte es im seriösen Army Nato Shop.

Facebook: Sag mir, wer auf mir war!

Sieht man auf Facebook wer auf meiner Seite war? Gibt es dazu etwa Applikationen oder ist alles erlogen? Über Hoax und Scam auf Facebook berichtet Chloe vom See.

Chloe will wirklich nicht zur Facebook-Expertin verkommen. Dafür ist mir mein Intellekt wirklich viel zu schade… Aber wenn ich mich über etwas aufrege, dann muss ich es doch runterschreiben.

Immer wieder landen Googelnde mit folgenden Suchanfragen auf SpreeSee:

wie schau ich bei facebook nach wer mein profil angeschaut hat

sieht man auf facebook wer auf meiner seite war

wie kann ich sehen wer auf meiner facebook profil war

Netzwerke wie XING bieten so etwas in der Tat an. Man kann als Premiummitglied nachverfolgen, wie die Besucher meiner Seite auf mein Profil gelandet sind. Vielleicht macht das in einem beruflichen Kontext auch tatsächlich Sinn.

Laut Facebook steht diese Statistik für ihr Netzwerk jedoch nicht zur Verfügung:

Facebook bietet derzeit keine Anwendung, die es Benutzern gestattet Profilaufrufe zu verfolgen oder Statistiken über die Ansicht spezieller Inhalte von Benutzern anzuzeigen. Es kann jedoch sein, dass Drittanbieter Anwendungen anbieten, die einige dieser Funktionen ermöglichen. Bitte beachte ein paar Dinge bei diesen Anwendungen:

Anwendungen KÖNNEN KEINE Profilbesuche von Benutzern verfolgen, die nur das Profil einer anderen Person aufrufen; Facebook hat dafür gesorgt, dass dies technisch unmöglich ist.

Trotzdem treiben sich auf Facebook sogenannte Hoax-Gruppen herum, die derartige Funktionen “versprechen”. Der Grosse Bruder sieht dich – findet heraus wer sich euer Profil ansieht hat schon fast 200.000 Fans.

Alles eine Frage der Zeit, bis die Gruppe von Facebook gelöscht wird (Nachtrag vom 26. Januar 2009: Die Gruppe wurde tatsächlich inzwischen entfernt! Das ging ja plötzlich schnell… ). So bereits geschehen für Change Your Facebook Profile Theme with colorbook ™. Weitere Infos und Beispiele zu Hoax- oder Scam-Gruppen auf Facebook

Diese Gruppen suggerieren dem Facebook-Usern meistens irgendwelche zusätzliche Funktionen oder andere Mehrwerte, haben aber in der Regel nur das Ziel, möglichst viele Benutzer in eine Gruppe einzuladen. Über die Gruppenbenachrichtigungen werden letztendlich meistens Werbenachrichten versendet.

findet ihr im Blog von Thomas Hutter.

Die beste Übersichtsliste über alle aktuellen Scams könnt Ihr über die Facebook-Gruppe “Project No Scam” abonnieren. Maya ist gerade selber auf folgende SCAM-Seite hereingefallen: OFFICIAL Dislike Button™ is Finally Here◄| Add it Now, it ACTUALLY WORKS! Habe von ihr so eben eine Einladung bekommen ;-)

Die Frage bleibt: Warum will man wirklich sehen, wer sein Profil anschaut? Echte Stalker können sich auch über Freunde einen Zugriff auf Dein Profil verschaffen. Z.B. der gemeinsame Freund vom Ex, der beim Vorglühen Deinem Ex Dein Profil zeigt, um mit ihm über Dich zu lästern. Wie man sich davor schützt? Facebook Account löschen!!! Oder zumindest die Privatsphäre-Einstellungen so einrichten, dass gewisse Personen auf manche Daten einfach keinen Zugriff haben. Siehe die SpreeSee Facebook Gebrauchsanleitung.

Warum Facebook diese Auswertung nicht zur Verfügung stellt, ist ferner psychologisch sonnenklar: Wenn ich weiß, dass Du weißt, dass ich auf Deinem Profil war, dann fühle ich mich eingeschüchtert und gehe lieber nicht so oft drauf. Wer weiß, was das für einen Eindruck erwecken könnte. Facebook hingegen will keinesfalls unterbinden, dass das Netzwerk weniger häufig genutzt wird.