Music – reduced to the max…

Weniger ist mehr – mit dieser uralten Erkenntnis starten wir musikalisch gesehen ins Jahr des Drachens. Feuerwerk und BigBand auf der Bühne, alles nett und schön, aber viel beeindruckender ist das virtuose Treiben dieser Künstler hier. Einer, der ein ganzes Orchester ist und fünf, die sich ein Instrument teilen…

Wenn man alles alleine macht, dann ist das Tourleben zwar einsam, die Gage muss aber auch nicht geteilt werde, so begründet Jarle Bernhoft, die sagenhafte Ein-Mann-Show aus Norwegen, in einem Interview sein Single-Dasein auf der Bühne. Wer derart begnadet ist, der würde wohl andere Mitmusiker auch nur verschrecken. Mehr als einen braucht es bei solchem Können nicht:

Während Jarle sich alleine vervielfältig und so sehr ausdehnt, dass man dabei gar nichts vermisst, schart sich in diesem Clip ein buntes Grüppchen gemeinsam um eine Klampfe und bearbeitet diese gemeinsam – besonders toll ist die Rolle des Bartträgers rechts außen…

 

Bang Bang – Neid aufs Wunderkind

Ganz Friedrichshain war 2011 mit diesen Postern plakatiert und anfangs im Vorbeigehen dachte ich, es handle sich um eine Band. Bei näherer Betrachtung ging es tatsächlich um einen Film. Und was für ein Film!

Les Amours Imaginaires – Heartbeats – Herzensbrecher auf deutsch – zeigt in wunderschöner Optik wie sich Francis und Marie, Hipster-Freunde aus Montreal in den blondgelockten Nico verlieben.

Er wird das Objekt ihrer Begierde.

Sie werben um ihn.

Sie kämpfen um ihn.

Sie kommen über ihn hinweg.

Das ganze sieht unfassbar gut aus, ist voller Zeitlupen inszeniert, ohne kitschig zu werden und dazu kommt ein grandioser Soundtrack. Beim Abspann dieses wirklich fantastischen Films bekam ich allerdings auch noch einen mittelgroßen Wutausbruch – ich muss es zugeben – aus niederen Beweggründen. Neid stieg in mir hoch, als ich feststellte, dass ein Name hier überall auftauchte: Xavier Dolan. Charly und ich waren uns während des Guckens schon einig: der Junge ist einfach unverschämt attraktiv. Und dann stellt sich auch noch heraus, das 1989 geborene Bürschchen hat hier nicht nur sein hübsches Gesicht in die Kamera gehalten, er hat auch noch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Und zwar so gekonnt, dass nicht nur ich bezaubert vom Ergebnis war, sondern auch die Programmacher des Festivals von Cannes, dort lief der Film nämlich. Und als wäre das nicht genug ist auch sein erster Film „I killed my mother“  viel beachtet. Talent, Aussehen, Erfolg – mayn Papa sagt immer, es gibt keine letztendliche Gerechtigkeit auf Erden, wenn ich mir die ungerechte Häufung auf diesem goldigen Wunderkind anschaue, muss ich ihm beipflichten. Mayn Neid wird nur gezügelt von der Freude darüber, dass Dolan einen wenigstens an seinem Glück teilhaben lässt. Der nächste Film „Laurence Anyways“ ist in Arbeit…

Theatersaison wird radikal eröffnet! Teil 1 – Die Entscheidung für ein Stück

Die Masse und die Menge aller durchschnittlichen Menschen, die verstehen uns nicht.

Diesen Satz sagt (laut Nachtkritk) Ibsen-Figur John Gabriel Borkmann des aktuellen „Skandal-Theaters“ im Prater wiederholt. Damit nimmt die Inszenierung ihre Rezeption bereits vorweg, sehr viel Hellsichtigkeit brauchte es für diese Einschätzung wohl nicht, wenn man sich ein wenig näher damit beschäftigt. Das Geschehen auf der Bühne scheint die traditionellen Funktionen des Theaters zu erfüllen, zumindest das von Aristoteles geforderte Hervorrufen von Jammer (eleos) und Schaudern (phobos) ist wohl gegeben, wie es um die Reinigung besteht, wissen wir noch nicht. Jedoch kennen wir das Phänomen, im Theater zu sitzen und ganz im Gegensatz zur Masse ein Stück, das uns zutiefst berührte, einsam zu beklatschen während der Rest schon geht und dafür bei enorm erfolgreichen Produktionen  (mayn Problem mit der Musical-Gattung z.B.) irgendwie den Zugang nicht zu finden. Und so wird auch die Suche nach dem passenden Drama manchmal schon zum Drama, oder auch zur Tragikomödie…

Prolog

Jos Lars und Maya suchen schon seit Wochen nach dem geeigneten Theaterstück mit dem sie die Theatersaison eröffnen könnten. Diverse Planungen platzten aus Termingründen und Ticketverfügbarkeit. Zudem ist das Angebot in diesem Herbst nur teilweise verlockend. (Der talentierte Mister Ripley in der Schaubühne ???!!!)

Szene

Am Küchentisch der SpreeSee WG

Beim gemütlichen Kaffee und hervorragendem Apfelkuchen werden digitale Spielpläne gewälzt und man kommt einem würdigen Favoriten für den Saisonstart auf die Spuren. Der Prater der von der Volksbühne bespielt wird, lieferte schon einige tolle Abende. Nun hat er seit ein paar Tagen „John Gabriel Borkmann“ den 4. Teil der Ibsen Saga im Programm. Mal beiseitegeschoben, dass die ersten drei Teile irgendwie an ihnen vorbeigelaufen sind, suchen beide neugierig nach einer Beschreibung. Die fällt von der Theaterseite her eher mager aus. Eine ellenlange Liste der Beteiligten sowie die Bemerkung „Jede Vorstellung ist anders!“ wecken das Interesse, der Hinweis „Eintritt ab 18 Jahren.“ wirkt gar wie ein Gütesiegel. Informationen zu Thematik und Stil der Inszenierung fehlen, aber man ist trotzdem schon angefixt.

Bei der Terminauswahl kommt die Frage auf, wie lange das Stück wohl dauern könnte: Ist es abendfüllend oder kann man danach noch auf eine private Feier gehen, etc.? Auch der für den Spielort relativ hohe Ticketpreis wirkt verdächtig.

Also konsultiert Maya Kritiken. Es scheint ein Stück zu sein, dass nahezu die gesamte Breite der Medienlandschaft beschäftigt. taz und BILD äußern sich. Nun gerät Maya – nur weil  die BILD-Kritik mit einer Zeitangabe beginnt, unglaubliche 11 Stunden (ok, und die Schlagzeile ist auch recht griffig) – zum ersten Mal in den Genuss einer Theaterkritik des nicht für seinen Feuilleton bekannten Blattes.

Kritik in Bild Online

Kritik in Bild Online

Maya: Ich muss sagen, da ist mir bisher doch eine Menge Amüsement entgangen!

Maya trägt Jos Lars den vehementen Artikel  vor und kann sich vor Lachen über die rückständig-spießige Diktion der Empörung kaum halten. Es klingt fast wie die Satire auf einen Bild-Artikel der 60er Jahre. Vielleicht sind das aber auch nur die einzigen, die sie kennt, als historische Quellen in der Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung. Sollte es wirklich war sein, dass sich da in der Mentalität seit 50 Jahren so wenig verändert hat? Anscheinend schon.

Maya deklamiert: „Jedes Jahr haben Hunderte Theaterstücke Premiere in der Hauptstadt, viele sind umstritten.
Doch was die Volksbühne im Prater aus Ibsens Klassiker „John Gabriel Borkman“ gemacht hat, ist das Widerlichste, was Berlins Theaterpublikum seit Langem zu sehen bekommen hat. Im Zehn-Minuten-Takt gehen Leute aus dem Saal.“

Jos Lars ruft: Das ist was für uns!

Maya entdeckt weitere Hinweise auf die enorme Länge des Stücks: „Zum Beispiel wenn sich der Vater den Intimbereich rasiert und die Haare seiner Ehefrau an den Kopf klebt – vor dem Hintergrund einer riesigen Vagina. Die Gewalt- und Ekel-Orgie geht stundenlang weiter.“

Jos Lars beschließt: Danach kann man nicht auf eine Geburtstagsfeier gehen, es  startet um 19 Uhr, dann bleiben wir (er rechnet nach) na sagen wir mal bis ca. 4 Uhr, dann können wir in nen Club gehen.

Maya (weiterhin fassungslos in die Kritik vertieft): Hör dir das an!  „Krasser Tiefpunkt: Vier Soldaten vergewaltigen 30 Minuten lang Mutter Gunhild.“ So lange müssen wir auf jeden Fall bleiben!

Jos Lars: Aber natürlich. Nach dieser Kritik ist entschieden: wir müssen dahin. Wo es für die Bildzeitung aufhört, da fängt doch für uns der Spaß erst an, da fühlen wir uns wohl, da packen wir den Picknick-Korb aus.

Ich: Ja – Verpflegung muss sein, bei so einer Mammutshow. Und auf die Intimrasur stoßen wir an! Wie das wohl mit der Getränkeversorgung ist?

Jos Lars: Kein Ding, wir nehmen Sprudelwasser und die Winnieh the Pooh Becher von unserer letzten S-Bahnfahrt mit.

Vorhang

Epilog

Der Plan steht: 8 Stunden Theater – was für ein Saisonauftakt!

Bleibt nur die Frage, ob die BILD-Redaktion so einem dämlichen Satz wie diesen:

Übrigens: Die Kosten für das Mammut-Stück (43 Mitwirkende) werden vom Steuerzahler mit getragen.

bei jeder Theaterkritik einfügt, denn der ist ja quasi immer gültig, auch bei jeder verschlafenen Inszenierung und (maynes Erachtens völlig überflüssigen) Wiederaufnahme der ewigen Spielplandauerbrenner, die es natürlich auch geben soll, für Schulklassen und Abo-Publikum und alle anderen auch, die sich mal wieder einen Klassiker in klassischer Inszenierung geben möchten. Aber Vielfalt und nicht ausschließlich Mainstream bleibt erstrebenswert.

Kunst muss frei sein, auch welche die dem Bild -Schreiber oder Leser nicht passt, deshalb wird sie in diesem Land auch aus Steuern finanziert, weil nicht alles, das wichtig, gut, bewegend ist auch gleichzeitig gefällig sein kann. Und wenn Sex, Blut und Massaker auf der Welt vorkommen, dann dürfen sie das wohl auch auf der Bühne. Wem’s nicht passt, der findet bei den – ebenfalls durch öffentliche Gebühren-Gelder finanzierten – zeitgenössischen Heimatfilmen von ARD und ZDF genügend Unterhaltung im Wohlfühlbereich.

Once they go tantric…

they never come back!

- Diese Weisheit geht mir seit Chloes Bericht von ihrem Wochenende nicht mehr aus dem Kopf und bringt micht immer wieder zum Schmunzeln.

Liebe Chloe, man darf die Esoteriker nicht unterschätzen. Wenn du das nächste mal in die Nähe der Sonnenstrahl-Jünger gerätst, statte ihnen doch einen Besuch ab. Das wäre sicher ein spannender Blogeintrag. Nimm aber unbedingt eine Schutzbrille mit! Schließlich lebt man auf Tantra-Seminaren gefährlich. Woher ich das weiß? Fernsehen bildet!

Dein neues Sanskrit Vokabelwissen kenne ich noch aus einer alten Sex and the City Folge. Da wurde dem Lingam eines Vorführobjekts mal von vielen Damen gleichzeitig sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt:

Zum Schreien!

Letztes Wochenende machte sich Chloe statt gen Spree auf Heimatbesuch an den See auf. Widerwillig stieg sie am Freitag nach der Arbeit in die Regionalbahn nach Lindau ein. Die Reisenden mit Ländertickets der Deutschen Bahn sind oft recht nervig…

Mit Lennys und Eunices Problemen auf dem Schoß und Kopfhörern im Ohr versetzte ich mich also in ein Lesekoma. Die frühe Dunkelheit und der nuschelnde Schaffner machten mich etwas nervös. Ich hatte Angst, meine Haltestelle im Westallgäu zu verpassen. Daher googelte ich mich nebenher mit dem iPhone auf der Landkarte zur Sicherheit nach und checkte über die Deutsche Bahn App alle fünf Minuten die Ankunftszeit ab. Um 19.19 Uhr kam ich pünktlich in Kißlegg an (ein Wort, das sich für unsere Engländerin nach einer Beleidigung anhört). Diese Allgäuer Bahnhöfe haben meist zwischen den zwei Gleisen keinen richtigen Übergang. Man läuft einfach über die Schienen drüber. Auch das macht mich gerade im Dunkeln stets nervös!

Vom Bahnhof zur neuen Wohnung meines Freundes – es wurde zu einer legendären Lekkar Lakers Kochrunde-Reunion geladen – sollte ich laut Routenplaner noch 12 Minuten Gehzeit haben. Meinen Koffer musste ich aufgrund der vielen Weinflaschen mehr durchs Laub ziehen als rollen. In der Innenstadt (ein 300 Meter langer Straßenstreifen) angekommen steckte ich plötzlich auf einer wundersam stark befahrenen Kreuzung fest. Zehn Minuten lang kam ich nicht auf die andere Straßenseite! Ein Milchlaster und Pennälergolf nach dem anderen fuhren ignorant an mir vorbei. Ich blickte derweil an mir herab und musste herzhaft lachen: Mit Jackett, Röckchen und Stöckelschühchen sah ich inkl. Rollkoffer wie eine bescheuerte Großstadtzicke aus, die gleich vor den Augen der kernigen Dorfbewohner in Gülle ausrutscht…

Unter Lebensgefahr passierte ich dann doch noch die Rennstrecke. Der blaue Punkt auf meinem iPhone leuchtete mir ja auch eigentlich schon das Ziel vor. Aber ich sah weit und breit keine Hausnummer. Eine urige Frau bemerkte meine Ratlosigkeit und lief schnurstracks auf mich zu.

Frau Hilfe anbietend: „Sie sind bestimmt auf der Suche nach dem Sonnenstrahl!“

Chloe wurde sofort unheimlich ob dieser verwirrten Frau. Schließlich war es stockdunkel!

Chloe eingeschüchtert: „Ich suche die Hausnummer XY.“

Frau freundlich: „Ach so. Das hier ist ALLES die Hausnummer XY. Zu wem wollen Sie denn?“

Chloe: „Herr XY.“

Frau bestimmt: „Den kenne ich nicht! Wie heißt er denn mit Vornamen?“

Chloe: „XY“

Frau beschwingt: „Ach DER XY. Wir duzen uns hier doch alle. Aber natürlich! XY ist ja erst vor einem Monat eingezogen. Der wohnt im hintersten Haus.“

Chloe trug nun den Koffer, da der Schotterweg durch die große Parkanlage ein Rollen unmöglich machte, bis an den kleinen Kißlegger See und ließ sich ab sofort im Kreise ihrer engsten Freund mit Köstlichkeiten verwöhnen…

Drei Stunden später klingelte es an der Tür. Der Nachbar meines Gastgebers wollte noch auf ein Glas Wein vorbeischauen. Als er mich sah musterte er mich von oben bis unten.

Nachbar neugierig: „Kann es sein, dass Du vorhin mit einem Rollkoffer und einem Handy in der Hand an der Kreuzung standest?“

Chloe: „Ja, gegen 19.30 Uhr. Das muss in diesem Ort wohl ein ungewöhnlicher Anblick sein.“

Nachbar: „Nein, ganz und gar nicht. Viele laufen zum Sonnenstrahl. Du sahst wie eine von ihnen aus.“

Da war es schon wieder!!! SONNENSTRAHL?! Was ist hier los.

Chloe: „Sonnenstrahl?“

Nachbar: „Ja, das ist hier ein sehr berühmtes Hotel für gestrandete Esoterikerseelchen. So sahst Du für mich im ersten Moment auch aus. Im Sommer hört man die bis zu uns herüber, wenn sie den Urschrei üben. Manchmal laufen die auch nackt über der Wiese an den See. Also wenn Du mal auf der Suche nach…“

Chloe ironisch abwehrend: „Kein Bedarf! Ich habe mich noch nie verloren und muss mich somit auch nicht finden! Und schreien kann ich von Natur aus laut genug!“

Heute Abend in der Puppenkiste schlug ich das Seminarzentrum Sonnenstrahl dennoch mal nach. Vielleicht hätte ich doch vor Ort in der “Feel Good Boutique” die bio-energetische Kleidung von The Spirit of Om® anprobieren sollen? Apropos Einfühlungsvermögen… Beim Durchstöbern des breiten Seminarangebots habe ich nun auch endlich herausgefunden, dass Yoni und Lingam die Worte für Vagina und Penis auf Sanskrit lauten. Der Terminkalender füllt mich jetzt schon auch ohne Seminarteilnahme mit jedem Eintrag voll Energie aus! Lachen ist gesund…

Und wieder wurde belegt, dass Chloe eine große weiße Leinwand ist, auf die alles reinprojiziert werden kann. Egal ob Sonnenstrahl oder Barden

Neues zum digitalen Nachlass

Im letzten Herbst machte Chloe sich bereits einmal Gedanken über den Widerspruch von physischer Sterblichkeit und digitaler Unendlichkeit der Identität des modernen Menschen. Die Frage, was aus den Facebook-Profilen Verstorbener würde, trieb sie um. Und ihre Überlegungen resultierten in folgender Bitte an mich:

Liebe Maya, sollte ich sterben, dann lösche doch bitte mein Profil und mach zumindest eine Fanseite draus… Ich will auf ewig mithilfe der Suche gefunden werden!

Sollte ich jemals in die traurige Lage kommen, und das will ich überhaupt nicht hoffen, werde ich diesem Wunsch selbstverständlich entsprechen, genauso wie ich mich persönlich einsetzen werde, dass ihr Grabstein von dem Satz geziert wird, der ihr Vermächtnis sein soll:  „Sie hat immer synchronisiert“.

Die Frau ist eben durch und durch Web 2.0 und Neue Medien-affin. Beim Anhören von PeterLichts neuer Platte „Das Ende der Beschwerde“ habe ich einen weiteren Themenbereich entdeckt, der mich als potentielle Nachlassverwalterin stark beschäftigt: „begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses“ singt Peter.

Nun frage ich mich, wo Chloes Äppärät die letzte Ruhe finden soll. Neben ihr? Am Bodensee, wo wir einst unseren Blog gründeten? Am Ufer der Spree, möglichst in einer gut besuchten Strandbar? Oder möchte sie es gar den Nachkommen vererben, so dass sie durch das Gerät zum ewigen Leben findet?

Fragen über Fragen!

Es googlet sich was zusammen…

Die SpreeSee WG Küche ist ein beliebtes Versuchsfeld. Hier entstanden im vergangenen Jahr diverse Pide-Variationen, persönliche Erstausgaben traditioneller deutscher Kost wie Rinderrouladen oder Kassler mit Sauerkraut und viele mediterrane Sommergerichte. Unvergessen bleiben auch die hochprozentigen Gaumenfreuden von der Feuerzangen- bis zur Erdbeerbowle. Selbstverständlich immer passend zur Saison. Meistens waren die Ergebnisse zufriedenstellend. Nur die aus Mangel und Verzweiflung geborene Aperol-Orangensaft-Komposition wird ihren Weg nicht wieder in unsere Gläser finden.

Beim Braten eines Huhns, sowie dem Panieren eines Schnitzels und vielen weiteren Aktivitäten nahe des Herdes hat Chloe eine sehr anstrengende Seite an mir entdeckt, die bisher gut verborgen geblieben war. Offensichtlich bin ich ein Kitchen-Psycho. Wirble ich am Herd, steigt das Stresslevel, ich nehme autistische Züge an, schreie entsetzt die Helfer an, wenn sie sich nicht als nützlich erweisen  oder gar mit absurden Gewürzvorschlägen die Soße zu verderben drohen. Kurz: mayne Besserwisserei steigert sich ins Unerträgliche. Es bleibt dem Umfeld nur das Weite zu suchen oder sich über das groteske Schauspiel aus sicherer Distanz zu amüsieren.

Heute jedoch, da ich einen Arbeitstag verbringe, während Chloe und Charly einen Brückentag abfeiern, bin ich zum Zusehen verdonnert. Wegen mayner entsetzten Blicke wurde ich aber sogar des Raumes verwiesen.

O-Ton: „Du Giftzwerg mit deinen skeptischen Nachfragen, vermiese uns doch nicht alles.“

Um des lieben Friedens willen überlasse ich nun also den beiden das Küchenschlachtfeld, gebe höchstens noch Orientierungshilfe bei der Suche nach Geräten und freue mich auf das Ergebnis. Hier nur noch ein paar optische Eindrücke:

Die modernen Chefköche googlen sich ihre Rezepte fleißig mit den I-Phones zusammen:

Kochbuch der Postmoderne

Kochbuch der Postmoderne

Die neurotische Chloe ist besonders stolz auf ihre aufgeräumte Arbeitsweise: „Siehst du wie ordentlich wir arbeiten: alles wird sofort wieder sauber gemacht.“

Der Nachtisch ist schon in der Kühlung:

Granatapfel-Soße mit Verdickungsmittel

Granatapfel-Soße mit Verdickungsmittel

In den Einkäufen hatte ich ein Päckchen Vanillesoße entdeckt.

Kritisch fragte ich nach: „Habt ihr denn dafür auch Milch gekauft?“

Verächtlich entgegnete mir die Süßspeisen-erprobte Patissière Chloe: „Davon hast du keine Ahnung, das benutze ich doch als Verdickungsmittel für die Granatapfelkerne…“

Panna Cotta

Panna Cotta

Auf dem Herd köchelt Charlys Meisterstück, die Tomatensoße, die während ich zusehen konnte, unter anderem mit Orangensaft und Lorbeerblatt verfeinert wurde.

Sugo Charly

Sugo Charly

Ab acht kommen die Gäste. Es bleibt spannend…

MoMa international

Mit unserem aus MoMas spitzer Feder geflossenen Antlitz sind  wir – Karikaturenstreit hin oder her – immer in bester Gesellschaft. Das wissen wir sehr zu schätzen, auch wenn es bei Chloe ein paar Monate gedauert hat, sich zu arrangieren, hat sie sich doch inzwischen sogar so sehr mit dem Kaffeehaus-Bild angefreundet, dass sie es freiwillig Bekanntschaften zeigt.

Und wer wären wir uns zu beklagen, wenn die Großen und Mächtigen dieser Welt das auch nicht tun?

Inzwischen hat die Zeichenkunst unseres Freundes auch transatlantische Fans gewonnen. Die Wahlkanadierin schickte mir neulich folgenden Link zur Deutsch-Amerikanischen Handelskammer mit den Worten „meine lieben Kollegen in New York nutzen Deinen Lieblings-Cartoonisten“:

Angela unterwegs

Angela unterwegs

Das gefällt uns natürlich außerordentlich gut!!!

Sicherheit und Gewissheit…rund um die Uhr.

In den grauen Vorzeiten der Schwabenlehrjahre, als wir noch lauthals in der Cafeteria tratschend den Ruf aufstrebender Kommilitonen und Burschenschaftsanwärter zerstörten, machte Chloe vor dem Süßigkeitenautomaten des Neuphilologischen Instituts der Uni Tübingen wahnsinnig gerne  und wiederholt folgenden Witz:

Was nehm’ ich nur, um die Vorlesung zu überstehen? AAAAhh ja. Diese Papiertaschentücher machen mich total an, ich glaube die sollen es sein.

Im ordentlichen Schwabenland wollte man keine Rotznasen in Seminarräumen und Hörsälen dulden, deshalb hatte der Automat neben Gummibärchen und Müsliriegeln tatsächlich auch Tempo im Zehner-Pack zu bieten. Heute, nachdem ich verfrüht aus der Texterschmiede in den Feierabend entlassen war, wartete ich nach kurzem Rechercheausflug an der Jannowitzbrücke auf die Bahn nach Hause und war bei dem faszinierend breiten Angebot dieses Automaten doch stark an die alten Zeiten erinnert. Zwischen den Trash-Food-Dauerbrennern BiFi und Caprisonne, die schon zu mayner Schulzeit zu den typischen Bestandteilen einer Pausenmahlzeit gehörten (verrückt, wie sich das hält, bei all dem Bio-Wahn -  an heutigen Schulen gibt es sowas wahrscheinlich nur noch für Kinder, deren Eltern Kunden der Supernanny sind), haben es sich zwei Artikel aus dem Drogeriebereich  bequem gemacht:

Automatenliebe: Billy Boy und Maybe Baby

Automatenliebe: Billy Boy und Maybe Baby

Ob ich einem Ergebnis von „Maybe Baby?“ aus dem Automaten trauen würde? Den braucht man allerdings vielleicht auch nur, wenn man zuvor dem BillyBoy daneben vertraut hat. Ob dahinter eine ganz fiese Verkaufsstrategie steckt?

Fragen über Fragen, die ich nicht mittels Experiment am eigenen Leib beantworten werde.

Byebye Bene!

Sonntagnachmittag lief ich in bester Laune über die von schönster Spätsommersonne beschienene Warschauer Brücke nach Hause und musste das letzte – diesmal aus Menschenmassen gestaltete – Labyrinth für die nächsten paar Tage durchqueren. Nach den Hindernisläufen durch die – erst für den Staatsbesuch des Heiligen Vaters mit den coolen Schuhen und dann wegen der Marathonläufer und -roller – gesperrte Stadt nahm ich die Eisbärenfans in ihrem vollen Ornat gerne hin. Ist für uns, die wir die O2-Arena vom Balkon aus sehen, inzwischen ja eine liebgewonnene Eigenheit des Heimatkiezes, dass die Anhänger des Berliner Eishockey-Teams sich an den Buden unserer S-Bahnhaltestelle vor dem Spiel in Stimmung bringen.  Schließlich kann man bei der illustren Truppe nicht nur stylingtechnisch einiges an Konsequenz lernen, es werden auch die wichtigen Themen verhandelt. Am Sonntag nämlich empörte sich der eine (offensichtlich schwule) Fan dem anderen gegenüber wie folgt:

Wat??? Du bist katholisch!? Schäm dich!!!! Warste etwa auch im Olympiastadion zur Messe?

Merke die gleiche „Konfession“ im Sport täuscht eben nicht über alle Unterschiede hinweg. Mayn Lieblingskommentar zum Papstbesuch stammt von Harald Schmidts Gagschreibern:

Der Papst ist in Berlin! Wie schön, endlich spricht mal jemand im Olympiastadion, der nicht dauernd Geschichten über seine Freundin erzählt…

Da sind gleich zwei nervige Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Und wie zur Abrundung und Bestätigung des Ganzen fiel mir dann auch noch dieses modifizierte  Mario Barth Plakat ins Auge:

Sexistische Sch*** - ein Label, das auch den Äußerungen des Papsts aufgepappt werden könnte.

Sexistische Sch*** - ein Label, das auch den Äußerungen des Papsts aufgepappt werden könnte.

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